Gießener Kreispokal-Finale, Frauen: TSV Hungen – FC Großen-Buseck 9:0
29. Mai 2012Es war heiß. Und außerdem war es schwül. Aber was die beiden Frauenmannschaften gestern auf dem Rasenplatz in Steinbach gezeigt haben, war dennoch unter aller Kanone. Immerhin standen doch fast 200 Zuschauer am Platz (vielleicht auch nur deshalb, weil sie auf die folgenden Spiele der Männer warteten) und da sollte sich der Frauenfußball doch von seiner besten Seite zeigen.
Das Spiel bot jedoch weder Tempo, technische Fertigkeiten , spielerisches Geschick, Laufbereitschaft, Einsatz, sehenswerte Zweikämpfe oder zumindest eine astrein gespielte Taktik. Großen-Buseck war als Verbandsligist der klare Favorit, Hungen der Underdog. Allerdings startete der TSV auch genau so ins Spiel – in der Abwehr stand eine vermeintliche Viererkette und direkt davor eine weitere Kette, die alles tat, aber nicht verteidigen. So wirkte es, als wären zehn Hungenerinnen damit beschäftigt, den Schaden in Grenzen zu halten, griffen die allenfalls locker trabenden Buseckerinnen eigentlich nie an und brachten den Ball selbst nie bis zur Mittellinie. Dort – einsam und verlassen – wartete Hungens Stürmerin Nicole Schleer mit fünf Busecker Defensiven. Schleer bewegte sich auf ihrer Position in der ersten Halbzeit insgesamt vielleicht 500 Meter und beschwerte sich beim Trainer über die Taktik. Allerdings war auch nicht zu sehen, dass sie ihren drahtigen Körper Richtung eigene Hälfte bewegte, um sich dort den Ball zu holen. Spielten die Teamkolleginnen ihr nicht direkt in den Fuß, bemühte sich Schleer auch nicht, an die Kugel zu kommen.
Auch Großen-Buseck bot alles andere als schönen Fußball und beschränkte sich auf das Wesentliche: 5:0 zur Pause, 9:0 der Endstand. Standesgemäß, mehr aber auch nicht. Hungen stellte in der zweiten Halbzeit zwar noch einmal um und schickte Schleer – die sich jetzt richtig bewegen musste – in die Abwehr und zwei Akteurinnen in den Sturm, dennoch gab der Kreisoberligist in den gesamten 90 Minuten nicht einen einzigen Torschuss ab. Ein Armutszeugnis. Auch als Underdog sollte man so lange wie möglich alles geben und wenn es dann 0:12 ausgeht, ist es eben so. Aber sich 45 Minuten verstecken und dann 45 Minuten ein Bollwerk aufbauen – das ist weder sehens- noch empfehlenswert.
Werbung für den Frauenfußball war dieses Spiel jedenfalls nicht.
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