Schiedsrichter haben Angst vor Gießener B-Liga
17. November 2011Am Sonntag ruhen Ball und Pfeife – zumindest in der B-Liga Gießen, Gruppe 2. Mal wieder, und immer wieder, kommt es in dieser Liga zu Übergriffen auf Schiedsrichter. Sei es verbaler oder physischer Natur. Die Unparteiischen haben Angst und haben sich in dieser Liga nicht angesetzt. Damit fallen die Spiele aus. Die Schiedsrichter wollen damit ein Zeichen setzen. Doch, ob es auch das richtige Zeichen ist? Sollte man nicht die Spieler bestrafen und nicht die ganzen Vereine? Auch wenn immer die gleichen Vereine bei diesen Entgleisungen in den Mittelpunkt rücken?
Sieht man den Fußball durch Sepp Blatters Brille, dann ist die Welt in Ordnung. Es gibt keinen Rassismus, keine Gewalt. Alles ist nur ein Spiel. Und nach dem Spiel ist nach dem Spiel. Sofern man dann noch Zähne, ein Gesicht und eine gesunde Seele hat. Was die Tagung der Schiedsrichter bringen wird? Wahrscheinlich nichts. Pfeifen müssen sie irgendwann auch in dieser Liga wieder.
Hier der Wortlaut der Kreisschiedsrichterausschusses Gießen:
ES IST 5 NACH 12!
Müssen Giessener Schiedsrichter um ihre Gesundheit fürchten? Der Kreisschiedsrichterausschuss Gießen schlägt Alarm!
Nach drei gravierenden Angriffen auf ihre Schiedsrichter innerhalb kürzester Zeit (die Presse berichtete darüber), geht die Angst in den Reihen der Giessener Schiedsrichter um. „Es ist einfach schrecklich und in keinster Weise auch nur annähernd entschuldbar, was meinen Kameraden in jüngster Vergangenheit auf den Kreissportplätzen widerfuhr,“ so KSO Hans Peter Schön gegenüber der Presse!
„Es kann nicht sein, dass wir Schiedsrichter schon mit einem mulmigen Gefühl zu unseren Spielleitungen fahren und um unsere körperliche Unversehrtheit in unserer heimischen Region fürchten müssen! Wir Schiedsrichter geben nicht unsere Grundrechte an den jeweiligen Sportplatzgeländen ab, um uns gar körperlicher und schon seit langem, verbaler Gewalt ausgesetzt zu sehen,“ so der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit Dieter Langsdorf. „Irgendwann ist Schluss und der Punkt ist erreicht,“ warnt der stv. KSO Harald Sandleben vor Konsequenzen für den Spielbetrieb.Wir erwarten ein entschiedenes und konsequentes Vorgehen gegen die Täter aber auch gegen diejenigen, welche es ermöglichen, dass solche Taten gar auch noch bagatellisiert und herunter gespielt werden. Sei es, weil der aggressive Spieler, innerhalb der betreffenden Mannschaft einer der Leistungsträger ist oder aber auch aus sonstigen profanen Gründen geschützt wird, so der KSA Gießen. Fällt ein Spieler ein zweites Mal auf Grund eines solchen Verhaltens auf, gehört ihm eine lebenslange Strafe! Nur durch solch drastische Maßnahmen könne ein Umdenkungsprozess stattfinden, der Worte seien genug gewechselt!
Allen Vereinen sind ihre „Problemkinder“, aber auch ein Großteil der „Problemkinder“ ihrer Nachbarvereine persönlich bekannt. Hier müssen die Vereinsverantwortlichen die Reißleine ziehen und notfalls auch auf einen fragwürdigen sportlichen Erfolg verzichten. Gerade solche Spieler sollten auch nicht wegen kurzfristiger Erfolgsaussichten „gekauft“ werden, so die Verantwortlichen des KSA Gießen unisono.
Als weiteren Grund für ein rigoroses Vorgehen der Vereine selbst gegen die zunehmende Gewalt wurde die Verschreckung des schiedsrichterlichen Nachwuchses bezeichnet. „Wenn die Tätigkeit eines Fußball-Schiedsrichters durch solche Vorkommnisse nicht mehr erstrebenswert ist, führt dies zu gravierenden Negativzahlen im Schiedsrichterbestand und wir werden nicht mehr die Spiele mit geprüften Schiedsrichtern besetzen können,“ so der stv. KSO Harald Sandleben.“Diese Thematik werden wir leider mit den Schiedsrichterbeaufragten unserer Kreisvereine bei unserem Treffen am 23.11.2011 ab 20:00 Uhr im Sportheim des TSV Großen Linden ebenfalls ansprechen müssen. Es wäre uns lieber gewesen, gerade in unserer doch sonst so angenehmen Sportregion, über solche Themen nicht sprechen zu müssen,“ so der KSO Hans Peter Schön abschließend!
Der Satz “Gerade solche Spieler sollten auch nicht wegen kurzfristiger Erfolgsaussichten “gekauft” werden…” macht Angst. Denn das liest sich, als gäbe es tatsächlich Vereine, die sich Schläger, Provokateure und aggressive Treter “einkaufen”, damit diese genau das tun: schlagen, provozieren, treten. Die Frage schließt sich an: ist das wirklich so?
